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Fachblog

Gehaltsentwicklung Engineering DACH 2020 bis 2026: Die Datenlage

Was Engineering-Berufe in DACH zwischen 2020 und 2026 wirklich verdient haben: Tarifabschlüsse, Inflation, Reallohn und Branchenvergleich.

11 Min. LesezeitRedaktion

Die Datengrundlage: Was misst was?

Die Reallohn-Entwicklung im Engineering lässt sich nur verstehen, wenn die zugrundeliegenden Datenquellen klar sind. Drei Hauptquellen praegen die Diskussion in Deutschland.

  • Stepstone Gehaltsreport (jährlich seit 2010): Befragung von rund 60.000 Beschäftigten, Median- und Mittelwert-Bruttogehälter nach Beruf, Branche, Region. Stark für Branchenvergleiche und Berufseinstufung. Schwaeche: Selbstauskunft, Verzerrung nach oben.
  • IG-Metall-Tarifabschlüsse: Die in der Metall- und Elektroindustrie verbindlichen Tarifsteigerungen. Aktuelle Tabelle 2024/2025: 5,5 Prozent Lohnerhöhung in zwei Stufen (3,1 Prozent ab November 2024, 2,4 Prozent ab April 2025) plus 600 Euro Inflationsausgleichsprämie steuerfrei (Quelle: IG Metall Tarifrunde 2024).
  • Destatis Verbraucherpreisindex (VPI): Offizielle Inflationsmessung. Basisjahr 2020 = 100. Stand April 2026 liegt der Index laut Destatis-Schnellbericht bei rund 121, das entspricht einer Gesamtteuerung von rund 21 Prozent gegenüber 2020.

Wer den Reallohn ehrlich messen will, rechnet Nominal-Bruttosteigerung minus Inflation gleich Reallohn-Veränderung. Dieses Vorgehen ist Standard in den jährlichen Bundesbank- und WSI-Berichten.

Praxisempfehlung: Vor jeder Gehaltsverhandlung den eigenen aktuellen Marktwert über mindestens zwei Quellen prüfen. Ein einziger Wert (z.B. nur Stepstone) ist nie ausreichend.

Nominal-Gehälter 2020 bis 2026: Die Eckdaten

Auf Basis der Stepstone Gehaltsreports und IG-Metall-Tariftabellen ergibt sich folgendes Bild für typische Engineering-Berufe (Median-Jahresbruttogehälter, Vollzeit, ohne Sonderzahlungen):

  • Elektroniker für Betriebstechnik: 2020 rund 41.500 Euro, 2026 rund 51.500 Euro. Steigerung etwa 24 Prozent.
  • Mechatroniker: 2020 rund 44.000 Euro, 2026 rund 54.000 Euro. Steigerung etwa 23 Prozent.
  • SPS-Programmierer / Automatisierungstechniker: 2020 rund 56.000 Euro, 2026 rund 71.000 Euro. Steigerung etwa 27 Prozent.
  • Projektingenieur Maschinenbau: 2020 rund 65.000 Euro, 2026 rund 81.000 Euro. Steigerung etwa 25 Prozent.
  • Inbetriebnehmer mit Reisetätigkeit: 2020 rund 52.000 Euro, 2026 rund 68.000 Euro (inkl. Reise- und Auslandszulagen). Steigerung etwa 31 Prozent.

Die Tarifabschlüsse der IG Metall in diesem Zeitraum (kumulativ): 4,3 Prozent (2022), 8,5 Prozent in zwei Stufen (2022/2023), 5,5 Prozent (2024/2025), zusätzlich 3.000 Euro Inflationsausgleichsprämie steuerfrei (verteilt auf 2023 bis 2024). Summe nominal: rund 18 bis 20 Prozent über den Zeitraum, plus Einmalzahlungen.

Wichtig zu wissen: Diese Werte sind Medianwerte. Tarifflüchtige Branchen (z.B. Teile der Logistik und Servicetechnik im Mittelstand) liegen 10 bis 20 Prozent darunter. Tarif-treue Branchen (Automotive, Pharma, Energie) liegen 5 bis 15 Prozent darüber.

**Praxisempfehlung:** Wer in einem tarifflüchtigen Betrieb arbeitet, sollte alle 18 bis 24 Monate aktiv die Gehaltsdifferenz zum Tarif benchmarken und entweder verhandeln oder den Wechsel prüfen. Mehr dazu im Beitrag Wechselbereitschaft Industrie: Anzeichen und Timing.

Real-Lohnentwicklung: Was nach Inflation übrig bleibt

Hier wird die Geschichte komplizierter. Bei einer kumulierten Inflation von rund 21 Prozent (Destatis VPI 2020 bis April 2026) und Nominalsteigerungen im Engineering von 23 bis 27 Prozent ergibt sich eine Reallohn-Veränderung von plus 2 bis plus 6 Prozent über sechs Jahre.

Das WSI-Tarifarchiv der Hans-Boeckler-Stiftung zeigt für die Gesamtwirtschaft Deutschland einen Reallohn-Knick: Zwischen 2021 und 2023 sanken die Reallöhne deutlich (kumuliert minus 4 bis minus 6 Prozent), seit 2024 erholen sie sich durch die starken Tarifabschlüsse und sinkende Inflation (April 2026 Inflationsrate bei rund 2,2 Prozent).

Engineering-Berufe haben sich in diesem Zeitraum besser entwickelt als der Durchschnitt, vor allem wegen:

  • starker Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie,
  • akutem Fachkräftemangel bei SPS-Programmierern und Automatisierungstechnikern (Stepstone-Knappheitsindex 2024: Top 5 der gesuchtesten Berufe),
  • der einmaligen Inflationsausgleichsprämie steuerfrei (bis 3.000 Euro, §3 Nr. 11c EStG, gültig bis Ende 2024).

Die Inflationsausgleichsprämie hat den realen Kaufkraftverlust 2022/2023 für viele Engineering-Beschäftigte abgefedert, ohne dass diese in den klassischen Brutto-Gehaltsstatistiken voll sichtbar wird. Wer in einem Tarifbetrieb war, profitierte deutlich.

Praxisempfehlung: Wer den eigenen Reallohn-Verlauf nachvollziehen will, gleicht das Brutto-Jahresgehalt 2020 mit dem VPI-Faktor 2020 zu 2026 ab (1,21). Liegt das aktuelle Brutto darunter, hat real Kaufkraft verloren.

Branchen-Vergleich: Wo lohnt sich Engineering am meisten?

Innerhalb des Engineering-Sektors gibt es deutliche Branchen-Unterschiede. Stepstone Gehaltsreport 2024 und Hays Salary Guide 2024 zeigen folgende Median-Reihenfolge für einen 5-Jahres-Berufseinsteiger mit abgeschlossener technischer Ausbildung plus Spezialisierung:

  • Pharma und Chemie: rund 62.000 bis 72.000 Euro. Höchste Tarifbindung, beste Sozialleistungen, viel Forschung.
  • Automotive (OEM und Tier 1): rund 58.000 bis 70.000 Euro. Vor der Transformations-Phase (2023/2024 Restrukturierungen bei VW, Mercedes-Benz, ZF) traditionell Top-Löhne, aktuell volatil.
  • Energie und Versorgung (inkl. Erneuerbare): rund 55.000 bis 68.000 Euro. Stark im Aufwind seit Energiewende, viele Neueinstellungen.
  • Maschinenbau (Mittelstand): rund 52.000 bis 62.000 Euro. Solide, oft tarifflüchtig im südlichen DACH-Raum.
  • Anlagenbau und Sondermaschinenbau: rund 50.000 bis 65.000 Euro, mit Inbetriebnahme- und Reisezulagen oft höher.
  • Servicetechnik und Field-Service: rund 45.000 bis 58.000 Euro Grund, plus 8.000 bis 15.000 Euro Reisepauschalen.

Regional ist Bayern und Baden-Württemberg traditionell rund 8 bis 12 Prozent über Bundesdurchschnitt, Nordrhein-Westfalen leicht darüber, Ostdeutschland (außer Sachsen-Anhalt-Chemie) typisch 10 bis 15 Prozent darunter (Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas 2024).

Praxisempfehlung: Branche und Region addieren sich. Ein SPS-Programmierer in der Pharma-Industrie in Mannheim kann 20 bis 30 Prozent mehr verdienen als der gleiche Job im Maschinenbau in Mecklenburg-Vorpommern, ohne dass die Fähigkeiten unterschiedlich sind.

Ausblick 2026 bis 2028: Was Engineering-Fachkräfte erwartet

Drei Trends praegen die nächsten 24 Monate:

  • Tarifabschlüsse weiter über Inflationsniveau. Die IG-Metall-Forderung für die kommende Tarifrunde liegt bei 7 Prozent, bei aktueller Inflation rund 2,2 Prozent. Reallöhne sollten weiter wachsen.
  • Engpass-Berufe bleiben Hebel. Bundesagentur für Arbeit (Fachkräfteengpassanalyse 2024) listet Elektrofachkraefte, Mechatroniker, SPS-Spezialisten und Schaltschrankbauer als Mangelberufe. Wer hier verhandelt, hat Hebel.
  • Variable Vergütung gewinnt an Bedeutung. Mehr Arbeitgeber gehen zu Bonusmodellen, Aktienoptionen und Erfolgsprämien über, vor allem in Automotive und Tech. Die reine Brutto-Statistik unterschätzt die tatsaechliche Vergütung zunehmend.

Für die individuelle Entscheidung zählen weiter drei Faktoren: aktuelle Tarifbindung des Arbeitgebers, individuelle Spezialisierung in einem Mangelberuf und Bereitschaft zu regionaler Flexibilität. Wer diese drei Hebel kombiniert, kann auch in den kommenden Jahren überdurchschnittliche Steigerungen erzielen.

Praxisempfehlung: Alle 12 bis 18 Monate eine strukturierte Gehaltsverhandlung führen, mit klarer Faktenbasis. Wer das versäumt, fällt im Mittel um 0,5 bis 1,0 Prozent pro Jahr hinter den Markt zurück (Stepstone Karriere-Studie 2024).

Häufige Fragen

Wie viel sind die Engineering-Gehälter zwischen 2020 und 2026 nominal gestiegen?
Im Median 23 bis 27 Prozent über sechs Jahre, je nach Beruf und Branche. Inbetriebnehmer mit Reisezulagen lagen am oberen Rand bei rund 31 Prozent. Quelle: Stepstone Gehaltsreports 2020 bis 2024 und IG-Metall-Tariftabellen.
Was bedeutet das real, also nach Inflation?
Bei einer kumulierten Inflation von rund 21 Prozent (Destatis VPI 2020 zu April 2026) ergibt sich ein Realgewinn von 2 bis 6 Prozent über sechs Jahre. Engineering-Berufe lagen damit über dem Bundesdurchschnitt, der laut WSI-Tarifarchiv 2021 bis 2023 real verlor.
In welcher Branche verdient man am meisten?
Pharma und Chemie liegen mit rund 62.000 bis 72.000 Euro Median (5-Jahres-Berufseinsteiger) an der Spitze. Automotive ist traditionell stark, aktuell aber durch Restrukturierungen volatil. Energie- und Erneuerbaren-Branche wachsen schnell.
Wie wichtig sind Tarifabschlüsse für das individuelle Gehalt?
Sehr wichtig. In tarifgebundenen Betrieben sind die Steigerungen seit 2022 deutlich größer als in tarifflüchtigen. Wer in einem nicht tarifgebundenen Betrieb arbeitet, sollte alle 18 bis 24 Monate aktiv mit den Tariftabellen verhandeln oder den Wechsel prüfen.

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