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Fachblog

Logistik 2026: Automatisierung, Scanner, ERP und neue Anforderungen im Lager

Wie Automatisierung, Pick-by-Voice, ERP-Systeme und KI das Lager 2026 verändern – und was das für Fachkräfte für Lagerlogistik bedeutet.

8 Min. LesezeitRedaktion

Das Lager 2026: Nicht mehr Zettelwirtschaft

Die Zeiten, in denen Lagerlogistik gleichbedeutend mit Klemmbrett und Papierlieferschein war, sind vorbei. In modernen Industrie- und Logistikbetrieben arbeitet die Fachkraft für Lagerlogistik heute mit:

  • MDE-Scanner (Mobile Datenerfassung): Barcode- oder RFID-Lesegeräte von Zebra, Honeywell oder Datalogic sind Standardequipment. Einbuchung, Umbuchung und Inventur laufen vollständig digital.
  • WMS (Warehouse Management System): Spezielle Lagerverwaltungssoftware steuert Lagerplätze, Kommissionierreihenfolgen und Bestandsgrenzen – oft als SAP-Modul oder als eigenständige Lösung (Infor, Körber, Manhattan).
  • ERP-Integration: Lager und Buchhaltung, Einkauf und Disposition sprechen über dasselbe System. Fehlbuchungen im Lager sind sofort in der Produktion oder beim Kunden spürbar.

Wer diese Systeme kennt – auch nur auf Grundniveau – hat einen erheblichen Vorteil auf dem Bewerbermarkt.

Pick-by-Voice und Pick-by-Light: Wie sprachgeführte Kommissionierung funktioniert

In Versand- und E-Commerce-Zentren sowie großen Industrielagern hat sich sprachgeführte Kommissionierung (Pick-by-Voice) als Standard etabliert. Die Fachkraft trägt ein Headset und bekommt Kommissionieraufträge als Sprachansage – Lagerplatz, Artikelnummer, Menge. Die Bestätigung erfolgt ebenfalls per Sprache.

Vorteile aus Unternehmenssicht:

  • Hände bleiben frei (kein Scanner halten)
  • Fehlerquote sinkt messbar
  • Einarbeitungszeit kürzer als bei rein scanner-basierten Systemen

Was Fachkräfte wissen sollten: Pick-by-Voice erfordert keine besondere Vorbildung. Training dauert typischerweise 1–2 Tage. Wer bereits Erfahrung damit hat, kann das als Qualifikation im Lebenslauf nennen – Personaler schätzen es.

Pick-by-Light (LED-Anzeigen an Regalplätzen steuern die Entnahme) findet sich vor allem in Kleinteilelägern und Montageversorgung. Weniger verbreitet als Voice, aber in bestimmten Branchen Standard.

Automatisierung: Was Roboter übernehmen – und was nicht

Automatisierte Lagersysteme wachsen rasant: Automatische Kleinteilelager (AKL), autonome mobile Roboter (AMR, z. B. von Geek+, Locus Robotics), vollautomatische Hochregallager (HRL). Gerade große E-Commerce-Betriebe und Pharmaunternehmen setzen stark auf Automatisierung.

Was Roboter gut können:

  • Standardisierte, repetitive Lagerbewegungen (Einlagerung nach Systemvorgabe)
  • Hochregalbedienung in vollautomatischen HRL
  • Sortierung und Konsolidierung im Versand

Was Fachkräfte unersetzbar macht:

  • Wareneingangsprüfung mit Qualitätsbeurteilung (Schäden, Abweichungen)
  • Umgang mit nicht-standardisierten Gütern (Übermaß, Sonderformen, Gefahrstoffe)
  • Ausnahmesituationen und Störungsmanagement
  • Kommunikation mit Lieferanten, Produktion, Versanddienstleistern

Die viel beschworene "Vollautomatisierung des Lagers" ist in der Praxis auf bestimmte Betriebstypen und Sortimentsstrukturen beschränkt. Im Maschinenbau-Mittelstand, in der Chemie oder bei Sonderlogistik bleiben Fachkräfte mit Urteilsvermögen unersetzlich.

ERP-Kenntnisse: Welche Systeme dominieren und wie man sie lernt

Die meistgefragten ERP-Systeme in deutschen Industrieunternehmen nach Größenklasse:

Großunternehmen und Konzerne: SAP S/4HANA mit Modulen MM (Materialwirtschaft) und WM (Lagerverwaltung) oder das neuere EWM (Extended Warehouse Management). Kenntnisse in SAP sind in diesem Segment beinahe Pflicht.

Mittelstand (100–1.000 Mitarbeitende): Microsoft Dynamics 365 / Business Central (vormals Navision), Infor LN/M3, ProAlpha oder Sage. Weniger komplex als SAP, aber ähnliche Grundfunktionen.

Kleinunternehmen: Oft branchenspezifische WMS-Lösungen oder einfachere Systeme wie Lexware oder Sage 50.

Wie man ERP-Kenntnisse aufbaut:

  • Betriebsinterne Schulung (häufigster Weg): Neues System wird von Kollegen oder dem Anbieter in 2–5 Tagen eingeführt
  • Online-Kurse: SAP Learning Hub bietet kostenlose Grundmodule; YouTube-Tutorials für Dynamics 365
  • Berufsbegleitende IHK-Kurse (Dauer 2–4 Tage, 200–500 €) für SAP-Grundlagen

Tipp: Systemnamen immer konkret im Lebenslauf angeben. "ERP-Erfahrung" ohne Systembezeichnung zieht in Bewerbungen kaum.

RFID und IoT: Lager der Zukunft heute

RFID (Radio Frequency Identification) ermöglicht die Identifikation von Waren ohne Sichtlinie – ganze Paletten oder Behälter können in Sekunden erfasst werden. Einsatz heute vor allem in:

  • Automotive-Zulieferlogistik (Werkstückträger-Tracking in der Produktion)
  • Pharma-Seriennummernverfolgung (EU-Arzneimittelrichtlinie, securPharm)
  • Textilhandel und Bekleidungslogistik (einzelne Artikel-Tags)

IoT-Sensoren überwachen Kühlkette, Feuchtigkeit und Erschütterung in Echtzeit – relevant für Lebensmittel, Pharma und Chemie. Für Fachkräfte bedeutet das: mehr Systeminteraktion, aber keine Programmierung. Das Bedienen und Auslesen solcher Systeme ist lernbar.

Fazit für Bewerber: Wer 2026 als Fachkraft für Lagerlogistik eingestiegen ist oder wechseln möchte, sollte MDE-Erfahrung, ein bis zwei ERP-Systeme und idealerweise Staplerschein in die Bewerbung einbringen. Das sind die Basiskenntnisse, die den Unterschied zwischen 200 und 20 passenden Kandidaten ausmachen.

Häufige Fragen

Welche ERP-Systeme sind im Lager am weitesten verbreitet?
SAP MM/WM in Großunternehmen und Konzernen, Microsoft Dynamics 365 / Navision im Mittelstand. Branchenspezifische WMS-Lösungen (Infor, Körber) in Pharma und Automotive.
Wird die Automatisierung Lagerlogistiker ersetzen?
Nicht vollständig. Roboter übernehmen standardisierte Bewegungen, aber Wareneingangsprüfung, Ausnahmehandling und Kommunikation bleiben menschliche Aufgaben. Die Qualifikationsanforderungen steigen eher.
Muss ich Pick-by-Voice oder Pick-by-Light vorher kennen?
Nein. Training dauert 1–2 Tage und erfolgt betriebsintern. Wer Erfahrung damit hat, sollte es aber im Lebenslauf nennen – Personaler schätzen es.

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