Das Lager 2026: Nicht mehr Zettelwirtschaft
Die Zeiten, in denen Lagerlogistik gleichbedeutend mit Klemmbrett und Papierlieferschein war, sind vorbei. In modernen Industrie- und Logistikbetrieben arbeitet die Fachkraft für Lagerlogistik heute mit:
- MDE-Scanner (Mobile Datenerfassung): Barcode- oder RFID-Lesegeräte von Zebra, Honeywell oder Datalogic sind Standardequipment. Einbuchung, Umbuchung und Inventur laufen vollständig digital.
- WMS (Warehouse Management System): Spezielle Lagerverwaltungssoftware steuert Lagerplätze, Kommissionierreihenfolgen und Bestandsgrenzen – oft als SAP-Modul oder als eigenständige Lösung (Infor, Körber, Manhattan).
- ERP-Integration: Lager und Buchhaltung, Einkauf und Disposition sprechen über dasselbe System. Fehlbuchungen im Lager sind sofort in der Produktion oder beim Kunden spürbar.
Wer diese Systeme kennt – auch nur auf Grundniveau – hat einen erheblichen Vorteil auf dem Bewerbermarkt.
Pick-by-Voice und Pick-by-Light: Wie sprachgeführte Kommissionierung funktioniert
In Versand- und E-Commerce-Zentren sowie großen Industrielagern hat sich sprachgeführte Kommissionierung (Pick-by-Voice) als Standard etabliert. Die Fachkraft trägt ein Headset und bekommt Kommissionieraufträge als Sprachansage – Lagerplatz, Artikelnummer, Menge. Die Bestätigung erfolgt ebenfalls per Sprache.
Vorteile aus Unternehmenssicht:
- Hände bleiben frei (kein Scanner halten)
- Fehlerquote sinkt messbar
- Einarbeitungszeit kürzer als bei rein scanner-basierten Systemen
Was Fachkräfte wissen sollten: Pick-by-Voice erfordert keine besondere Vorbildung. Training dauert typischerweise 1–2 Tage. Wer bereits Erfahrung damit hat, kann das als Qualifikation im Lebenslauf nennen – Personaler schätzen es.
Pick-by-Light (LED-Anzeigen an Regalplätzen steuern die Entnahme) findet sich vor allem in Kleinteilelägern und Montageversorgung. Weniger verbreitet als Voice, aber in bestimmten Branchen Standard.
Automatisierung: Was Roboter übernehmen – und was nicht
Automatisierte Lagersysteme wachsen rasant: Automatische Kleinteilelager (AKL), autonome mobile Roboter (AMR, z. B. von Geek+, Locus Robotics), vollautomatische Hochregallager (HRL). Gerade große E-Commerce-Betriebe und Pharmaunternehmen setzen stark auf Automatisierung.
Was Roboter gut können:
- Standardisierte, repetitive Lagerbewegungen (Einlagerung nach Systemvorgabe)
- Hochregalbedienung in vollautomatischen HRL
- Sortierung und Konsolidierung im Versand
Was Fachkräfte unersetzbar macht:
- Wareneingangsprüfung mit Qualitätsbeurteilung (Schäden, Abweichungen)
- Umgang mit nicht-standardisierten Gütern (Übermaß, Sonderformen, Gefahrstoffe)
- Ausnahmesituationen und Störungsmanagement
- Kommunikation mit Lieferanten, Produktion, Versanddienstleistern
Die viel beschworene "Vollautomatisierung des Lagers" ist in der Praxis auf bestimmte Betriebstypen und Sortimentsstrukturen beschränkt. Im Maschinenbau-Mittelstand, in der Chemie oder bei Sonderlogistik bleiben Fachkräfte mit Urteilsvermögen unersetzlich.
ERP-Kenntnisse: Welche Systeme dominieren und wie man sie lernt
Die meistgefragten ERP-Systeme in deutschen Industrieunternehmen nach Größenklasse:
Großunternehmen und Konzerne: SAP S/4HANA mit Modulen MM (Materialwirtschaft) und WM (Lagerverwaltung) oder das neuere EWM (Extended Warehouse Management). Kenntnisse in SAP sind in diesem Segment beinahe Pflicht.
Mittelstand (100–1.000 Mitarbeitende): Microsoft Dynamics 365 / Business Central (vormals Navision), Infor LN/M3, ProAlpha oder Sage. Weniger komplex als SAP, aber ähnliche Grundfunktionen.
Kleinunternehmen: Oft branchenspezifische WMS-Lösungen oder einfachere Systeme wie Lexware oder Sage 50.
Wie man ERP-Kenntnisse aufbaut:
- Betriebsinterne Schulung (häufigster Weg): Neues System wird von Kollegen oder dem Anbieter in 2–5 Tagen eingeführt
- Online-Kurse: SAP Learning Hub bietet kostenlose Grundmodule; YouTube-Tutorials für Dynamics 365
- Berufsbegleitende IHK-Kurse (Dauer 2–4 Tage, 200–500 €) für SAP-Grundlagen
Tipp: Systemnamen immer konkret im Lebenslauf angeben. "ERP-Erfahrung" ohne Systembezeichnung zieht in Bewerbungen kaum.
RFID und IoT: Lager der Zukunft heute
RFID (Radio Frequency Identification) ermöglicht die Identifikation von Waren ohne Sichtlinie – ganze Paletten oder Behälter können in Sekunden erfasst werden. Einsatz heute vor allem in:
- Automotive-Zulieferlogistik (Werkstückträger-Tracking in der Produktion)
- Pharma-Seriennummernverfolgung (EU-Arzneimittelrichtlinie, securPharm)
- Textilhandel und Bekleidungslogistik (einzelne Artikel-Tags)
IoT-Sensoren überwachen Kühlkette, Feuchtigkeit und Erschütterung in Echtzeit – relevant für Lebensmittel, Pharma und Chemie. Für Fachkräfte bedeutet das: mehr Systeminteraktion, aber keine Programmierung. Das Bedienen und Auslesen solcher Systeme ist lernbar.
Fazit für Bewerber: Wer 2026 als Fachkraft für Lagerlogistik eingestiegen ist oder wechseln möchte, sollte MDE-Erfahrung, ein bis zwei ERP-Systeme und idealerweise Staplerschein in die Bewerbung einbringen. Das sind die Basiskenntnisse, die den Unterschied zwischen 200 und 20 passenden Kandidaten ausmachen.
Häufige Fragen
- Welche ERP-Systeme sind im Lager am weitesten verbreitet?
- SAP MM/WM in Großunternehmen und Konzernen, Microsoft Dynamics 365 / Navision im Mittelstand. Branchenspezifische WMS-Lösungen (Infor, Körber) in Pharma und Automotive.
- Wird die Automatisierung Lagerlogistiker ersetzen?
- Nicht vollständig. Roboter übernehmen standardisierte Bewegungen, aber Wareneingangsprüfung, Ausnahmehandling und Kommunikation bleiben menschliche Aufgaben. Die Qualifikationsanforderungen steigen eher.
- Muss ich Pick-by-Voice oder Pick-by-Light vorher kennen?
- Nein. Training dauert 1–2 Tage und erfolgt betriebsintern. Wer Erfahrung damit hat, sollte es aber im Lebenslauf nennen – Personaler schätzen es.
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