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Fachblog

Remote Work Trends im DACH-Raum 2026: Hybrid bleibt, Vollremote sinkt

Hybrid-Quoten, Branchenunterschiede und was im Engineering nicht remote geht: Eine Bestandsaufnahme der Remote-Work-Landschaft in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz 2026.

9 Min. LesezeitRedaktion

Status 2026: Hybrid ist der neue Standard

Im DACH-Raum hat sich Hybrid-Arbeit als dominantes Modell durchgesetzt — Vollremote-Stellen sind dagegen seit 2023 ruecklaeufig. Mehrere Studien (ifo Konjunkturumfragen, Statistisches Bundesamt, IAB-Stellenerhebung, Arbeitsmarktservice Oesterreich) zeichnen ein konsistentes Bild: Ein bis drei Bueropraesenztage pro Woche sind in buerogestuetzten Branchen die neue Norm.

Konkret liegen die Groessenordnungen je nach Quelle so:

  • Deutschland: Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Beschaeftigten arbeitet regelmaessig mindestens einen Tag pro Woche im Home-Office. In IT, Beratung und Finanzdienstleistung deutlich hoeher, in Industrie-Produktion und Handwerk gegen Null.
  • Oesterreich: Ein aehnliches Muster, mit leicht niedrigerer Gesamtquote. Wien liegt deutlich ueber den Bundeslaendern.
  • Schweiz: Tendenziell hoechste Home-Office-Quote im DACH-Raum, gepraegt durch starke Banken-, Pharma- und Tech-Cluster in Zuerich, Basel und Genf.

Die Vollremote-Welle der Jahre 2020 bis 2022 ist weitgehend abgeebbt. Grosskonzerne wie SAP, Deutsche Bank, Allianz und mehrere DAX-Unternehmen haben Mindest-Praesenzquoten von zwei bis drei Tagen pro Woche eingefuehrt. Wer 2020 als reine Remote-Position eingestellt wurde, sieht sich 2026 oft mit der Forderung konfrontiert, zurueck ins Buero zu kommen.

Kernaussage: Hybrid ist verhandelbar, Vollremote wird zur Ausnahme — und Engineering folgt ohnehin eigenen Regeln.

Was im Engineering NICHT remote geht

Wer im technischen Bereich arbeitet, kennt die strukturellen Grenzen von Remote-Arbeit. Die folgenden Taetigkeiten lassen sich technisch oder regulatorisch nicht aus dem Home-Office erledigen:

  • Inbetriebnahme von Anlagen: SPS-Programmierer und Inbetriebnehmer muessen auf der Anlage stehen. Remote-Inbetriebnahme ist in Einzelfaellen moeglich, aber kein Regelfall.
  • Servicetechnik und Field Service: Reparatur, Wartung und Diagnose erfordern Vor-Ort-Praesenz. Der Anteil "Remote-Service" via Fernzugriff waechst (rund zehn bis 20 Prozent der Tickets), ersetzt aber nicht den Einsatz.
  • Produktion und Fertigung: Elektroniker Betriebstechnik, Mechatroniker, Anlagenfuehrer, Schaltschrankbauer — alle physisch gebunden.
  • Pruefarbeit und Abnahme: Sicherheitsrelevante Pruefungen verlangen Anwesenheit, oft mit zertifizierter Pruefumgebung.
  • Inhouse-Engineering mit Hardware-Naehe: EPLAN-Konstrukteure koennen oft hybrid arbeiten, aber Pruefaufbauten und Hardware-Verifikation sind praesent.

Hybrid-faehig sind dagegen:

  • Engineering-Buerotaetigkeit: Konstruktion (EPLAN, CAD), Pflichtenheft-Erstellung, Programmier-Vorbereitung am Simulator, Projektmanagement.
  • Steuerungstechnik-Programmierung in der Entwicklungsphase: SPS-Code laesst sich am Simulator entwickeln, die finale Inbetriebnahme braucht die Anlage.
  • Reviews, Abstimmungen, Dokumentation.

Praxisempfehlung: Wer im Engineering Home-Office sucht, sollte realistisch ein bis zwei Tage pro Woche im Buero akzeptieren — komplette Vollremote-Engineering-Stellen sind die seltene Ausnahme und meist auf reine Software- oder Konstruktionsrollen ohne Hardware-Naehe beschraenkt.

DACH-Unterschiede im Detail

Die drei DACH-Laender unterscheiden sich rechtlich und kulturell teils erheblich, was Remote-Arbeit angeht.

Deutschland: Kein Rechtsanspruch auf Home-Office. Das Bundesarbeitsministerium hatte 2020/21 einen Anspruch geprueft, aber nicht umgesetzt. Geregelt wird ueber Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag oder Individualvertrag. Die Mobile-Arbeit-Regelung im Arbeitsschutzgesetz verlangt einen ergonomischen Arbeitsplatz, auch im Home-Office.

Oesterreich: Seit 2021 gibt es ein Home-Office-Gesetz. Es regelt Vereinbarung, Unfallversicherung, Arbeitsmittel und Kostenersatz (Home-Office-Pauschale bis zu drei Euro pro Tag, maximal 300 Euro pro Jahr). Es gibt aber ebenfalls keinen Rechtsanspruch.

Schweiz: Keine bundesgesetzliche Home-Office-Regelung. Arbeitsverhaeltnisse sind durch das Obligationenrecht und individuelle Vereinbarungen gepraegt. Der Schweizer Markt ist deutlich flexibler, gleichzeitig aber praesenz-orientierter in Tradition gepraegten Branchen.

Steuerliche Tuecken bei Grenzgaengern: Wer in Deutschland wohnt und in der Schweiz oder Oesterreich arbeitet (oder umgekehrt), muss das 60- bis 183-Tage-Limit beachten — bei zu vielen Tagen Remote im Wohnsitzland kann die Steuerpflicht kippen. Die laenderspezifischen Doppelbesteuerungsabkommen wurden 2023/24 teilweise angepasst.

Praxisempfehlung: Bei DACH-uebergreifenden Stellen vor Vertragsabschluss vom Steuerberater pruefen lassen — was als Komfort gemeint ist, kann steuerlich teuer werden.

Was Bewerbende und Arbeitgeber realistisch erwarten sollten

Fuer Bewerbende: Ein Home-Office-Anteil von zwei bis drei Tagen pro Woche ist in Buero- und Engineering-Buerorollen marktueblich. Wer vollremote sucht, sollte sich auf eine deutlich kleinere Auswahl einstellen und bereit sein, das Profil entsprechend zu spezialisieren (zum Beispiel auf Embedded-Software, Cloud-Engineering oder reine Konstruktion). In klassischen Service- und Produktionsrollen ist Home-Office kein realistisches Argument.

Fuer Arbeitgeber: Strikte "Fuenf Tage Buero"-Politiken schliessen einen erheblichen Teil des Talentmarkts aus. Wer rekrutieren will, sollte mindestens ein bis zwei Tage Flexibilitaet anbieten, wo es technisch geht. Andererseits: Wer 80 Prozent Remote anbietet, muss dafuer entsprechende Arbeitsergebnis-Messung, Onboarding-Prozesse und Tooling parat haben — sonst kippt die Produktivitaet.

Praxisempfehlung fuer 2026: Beide Seiten gewinnen, wenn Erwartungen frueh und konkret kommuniziert werden. Eine vage "Wir sind flexibel"-Floskel in der Stellenanzeige fuehrt zu Misverstaendnissen. Konkret werden — zum Beispiel "zwei feste Bueropraesenztage, drei Tage flexibel, Kernzeiten 10–15 Uhr" — schafft Klarheit auf beiden Seiten und reduziert Fehlbesetzungen.

Häufige Fragen

Welche Engineering-Berufe sind 2026 hybrid-faehig?
Hybrid-faehig sind vor allem konstruktive und planende Rollen: EPLAN-Konstrukteure, Elektroplaner, Projektingenieure, SPS-Programmierer in der Entwicklungsphase und Automatisierungstechniker mit Software-Schwerpunkt. Klassische Bueroanteile dieser Rollen lassen sich gut von zu Hause erledigen. Reine Inbetriebnahme-, Service- und Produktionsrollen bleiben praesenzgepraegt, weil die Hardware-Naehe physisch erforderlich ist.
Gibt es in Deutschland einen Anspruch auf Home-Office?
Nein. In Deutschland besteht 2026 kein gesetzlicher Anspruch auf Home-Office oder mobile Arbeit. Geregelt wird Home-Office ueber individuelle Arbeitsvertraege, Betriebsvereinbarungen oder Tarifvertraege. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt einen ergonomisch ausgestatteten Arbeitsplatz auch im Home-Office. In Oesterreich gibt es seit 2021 ein Home-Office-Gesetz, das die Rahmenbedingungen klaert, aber ebenfalls keinen Anspruch begruendet. In der Schweiz gilt das Obligationenrecht und individuelle Vereinbarungen.
Wie viele Tage Home-Office sind im DACH-Raum marktueblich?
In Buero- und buerogestuetzten Engineering-Rollen sind zwei bis drei Tage Home-Office pro Woche der neue Standard, das gilt fuer Deutschland, Oesterreich und die Schweiz gleichermassen. Vollremote-Stellen sind seit 2023 deutlich seltener, und Konzerne fordern zunehmend Mindest-Praesenz von drei Tagen. In Produktion, Service und Handwerk ist Home-Office strukturell nicht moeglich. Im Mittelstand variieren die Regelungen stark, oft individuell verhandelt.
Was muss ich bei Workation aus dem Ausland beachten?
Drei Punkte sind entscheidend: Erstens die A1-Bescheinigung fuer die Sozialversicherung im EU-Ausland (Pflicht). Zweitens das 60- bis 183-Tage-Limit, das in den meisten Doppelbesteuerungsabkommen die Steuerpflicht definiert — bei zu vielen Tagen kippt sie ins Aufenthaltsland. Drittens die Datenschutz- und IT-Sicherheits-Regeln des Arbeitgebers. Eine schriftliche Workation-Policy mit konkreten Laenderlisten und maximalen Tagen schuetzt beide Seiten und ist 2026 in vielen DACH-Unternehmen Standard.

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