Status 2026: Hybrid ist der neue Standard
Im DACH-Raum hat sich Hybrid-Arbeit als dominantes Modell durchgesetzt — Vollremote-Stellen sind dagegen seit 2023 ruecklaeufig. Mehrere Studien (ifo Konjunkturumfragen, Statistisches Bundesamt, IAB-Stellenerhebung, Arbeitsmarktservice Oesterreich) zeichnen ein konsistentes Bild: Ein bis drei Bueropraesenztage pro Woche sind in buerogestuetzten Branchen die neue Norm.
Konkret liegen die Groessenordnungen je nach Quelle so:
- Deutschland: Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Beschaeftigten arbeitet regelmaessig mindestens einen Tag pro Woche im Home-Office. In IT, Beratung und Finanzdienstleistung deutlich hoeher, in Industrie-Produktion und Handwerk gegen Null.
- Oesterreich: Ein aehnliches Muster, mit leicht niedrigerer Gesamtquote. Wien liegt deutlich ueber den Bundeslaendern.
- Schweiz: Tendenziell hoechste Home-Office-Quote im DACH-Raum, gepraegt durch starke Banken-, Pharma- und Tech-Cluster in Zuerich, Basel und Genf.
Die Vollremote-Welle der Jahre 2020 bis 2022 ist weitgehend abgeebbt. Grosskonzerne wie SAP, Deutsche Bank, Allianz und mehrere DAX-Unternehmen haben Mindest-Praesenzquoten von zwei bis drei Tagen pro Woche eingefuehrt. Wer 2020 als reine Remote-Position eingestellt wurde, sieht sich 2026 oft mit der Forderung konfrontiert, zurueck ins Buero zu kommen.
Kernaussage: Hybrid ist verhandelbar, Vollremote wird zur Ausnahme — und Engineering folgt ohnehin eigenen Regeln.
Was im Engineering NICHT remote geht
Wer im technischen Bereich arbeitet, kennt die strukturellen Grenzen von Remote-Arbeit. Die folgenden Taetigkeiten lassen sich technisch oder regulatorisch nicht aus dem Home-Office erledigen:
- Inbetriebnahme von Anlagen: SPS-Programmierer und Inbetriebnehmer muessen auf der Anlage stehen. Remote-Inbetriebnahme ist in Einzelfaellen moeglich, aber kein Regelfall.
- Servicetechnik und Field Service: Reparatur, Wartung und Diagnose erfordern Vor-Ort-Praesenz. Der Anteil "Remote-Service" via Fernzugriff waechst (rund zehn bis 20 Prozent der Tickets), ersetzt aber nicht den Einsatz.
- Produktion und Fertigung: Elektroniker Betriebstechnik, Mechatroniker, Anlagenfuehrer, Schaltschrankbauer — alle physisch gebunden.
- Pruefarbeit und Abnahme: Sicherheitsrelevante Pruefungen verlangen Anwesenheit, oft mit zertifizierter Pruefumgebung.
- Inhouse-Engineering mit Hardware-Naehe: EPLAN-Konstrukteure koennen oft hybrid arbeiten, aber Pruefaufbauten und Hardware-Verifikation sind praesent.
Hybrid-faehig sind dagegen:
- Engineering-Buerotaetigkeit: Konstruktion (EPLAN, CAD), Pflichtenheft-Erstellung, Programmier-Vorbereitung am Simulator, Projektmanagement.
- Steuerungstechnik-Programmierung in der Entwicklungsphase: SPS-Code laesst sich am Simulator entwickeln, die finale Inbetriebnahme braucht die Anlage.
- Reviews, Abstimmungen, Dokumentation.
Praxisempfehlung: Wer im Engineering Home-Office sucht, sollte realistisch ein bis zwei Tage pro Woche im Buero akzeptieren — komplette Vollremote-Engineering-Stellen sind die seltene Ausnahme und meist auf reine Software- oder Konstruktionsrollen ohne Hardware-Naehe beschraenkt.
DACH-Unterschiede im Detail
Die drei DACH-Laender unterscheiden sich rechtlich und kulturell teils erheblich, was Remote-Arbeit angeht.
Deutschland: Kein Rechtsanspruch auf Home-Office. Das Bundesarbeitsministerium hatte 2020/21 einen Anspruch geprueft, aber nicht umgesetzt. Geregelt wird ueber Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag oder Individualvertrag. Die Mobile-Arbeit-Regelung im Arbeitsschutzgesetz verlangt einen ergonomischen Arbeitsplatz, auch im Home-Office.
Oesterreich: Seit 2021 gibt es ein Home-Office-Gesetz. Es regelt Vereinbarung, Unfallversicherung, Arbeitsmittel und Kostenersatz (Home-Office-Pauschale bis zu drei Euro pro Tag, maximal 300 Euro pro Jahr). Es gibt aber ebenfalls keinen Rechtsanspruch.
Schweiz: Keine bundesgesetzliche Home-Office-Regelung. Arbeitsverhaeltnisse sind durch das Obligationenrecht und individuelle Vereinbarungen gepraegt. Der Schweizer Markt ist deutlich flexibler, gleichzeitig aber praesenz-orientierter in Tradition gepraegten Branchen.
Steuerliche Tuecken bei Grenzgaengern: Wer in Deutschland wohnt und in der Schweiz oder Oesterreich arbeitet (oder umgekehrt), muss das 60- bis 183-Tage-Limit beachten — bei zu vielen Tagen Remote im Wohnsitzland kann die Steuerpflicht kippen. Die laenderspezifischen Doppelbesteuerungsabkommen wurden 2023/24 teilweise angepasst.
Praxisempfehlung: Bei DACH-uebergreifenden Stellen vor Vertragsabschluss vom Steuerberater pruefen lassen — was als Komfort gemeint ist, kann steuerlich teuer werden.
Welche Trends sich 2026 verschieben
Mehrere Bewegungen praegen den Remote-Markt aktuell:
Erstens — Praesenz-Mandate werden zur neuen Norm: Amazon, Goldman Sachs und mehrere DAX-Konzerne haben Vier- oder Fuenf-Tage-Praesenz angekuendigt. Im Mittelstand bleibt es flexibler, aber der Trend zur Wiederannaeherung an die Praesenzkultur ist klar.
Zweitens — "Workation" professionalisiert sich: Drei bis vier Wochen pro Jahr aus dem EU-Ausland zu arbeiten, wird zunehmend angeboten. Arbeitgeber regeln das ueber klare Policies (welche Laender, wie lange, Steuerfreigrenzen). Die A1-Bescheinigung ist Pflicht.
Drittens — Asymmetrie zwischen Berufen wird groesser: IT- und Software-Engineering-Jobs bieten oft 80 Prozent Remote, klassische Engineering-Stellen mit Anlagenbezug bleiben praesenzgepraegt. Diese Schere oeffnet sich weiter und beeinflusst die Berufswahl junger Talente.
Viertens — Hybrid wird zum Verhandlungspunkt im Gehaltsgespraech: Wer flexibler arbeitet, akzeptiert teilweise leicht niedrigere Grundgehaelter. Wer Vollremote will, muss in vielen Branchen das durch Kompetenz oder Spezialisierung "verdienen".
Fuenftens — Stadt-Land-Gefaelle nimmt ab: Mittelstaendler in laendlichen Regionen profitieren von Hybrid, weil sie Talente aus weiterer Entfernung gewinnen koennen, ohne dass diese komplett umziehen muessen. Die "Speckguertel" um Grossstaedte verdichten sich.
Wer als Fachkraft 2026 verhandelt, sollte Remote-Anteil nicht als Selbstverstaendlichkeit behandeln — die Verhandlungsbasis hat sich gegenueber 2021 deutlich verschoben. Mehr zum Gehaltsteil findet sich im Leitfaden zur Gehaltsverhandlung fuer Engineering-Berufe.
Was Bewerbende und Arbeitgeber realistisch erwarten sollten
Fuer Bewerbende: Ein Home-Office-Anteil von zwei bis drei Tagen pro Woche ist in Buero- und Engineering-Buerorollen marktueblich. Wer vollremote sucht, sollte sich auf eine deutlich kleinere Auswahl einstellen und bereit sein, das Profil entsprechend zu spezialisieren (zum Beispiel auf Embedded-Software, Cloud-Engineering oder reine Konstruktion). In klassischen Service- und Produktionsrollen ist Home-Office kein realistisches Argument.
Fuer Arbeitgeber: Strikte "Fuenf Tage Buero"-Politiken schliessen einen erheblichen Teil des Talentmarkts aus. Wer rekrutieren will, sollte mindestens ein bis zwei Tage Flexibilitaet anbieten, wo es technisch geht. Andererseits: Wer 80 Prozent Remote anbietet, muss dafuer entsprechende Arbeitsergebnis-Messung, Onboarding-Prozesse und Tooling parat haben — sonst kippt die Produktivitaet.
Praxisempfehlung fuer 2026: Beide Seiten gewinnen, wenn Erwartungen frueh und konkret kommuniziert werden. Eine vage "Wir sind flexibel"-Floskel in der Stellenanzeige fuehrt zu Misverstaendnissen. Konkret werden — zum Beispiel "zwei feste Bueropraesenztage, drei Tage flexibel, Kernzeiten 10–15 Uhr" — schafft Klarheit auf beiden Seiten und reduziert Fehlbesetzungen.
Häufige Fragen
- Welche Engineering-Berufe sind 2026 hybrid-faehig?
- Hybrid-faehig sind vor allem konstruktive und planende Rollen: EPLAN-Konstrukteure, Elektroplaner, Projektingenieure, SPS-Programmierer in der Entwicklungsphase und Automatisierungstechniker mit Software-Schwerpunkt. Klassische Bueroanteile dieser Rollen lassen sich gut von zu Hause erledigen. Reine Inbetriebnahme-, Service- und Produktionsrollen bleiben praesenzgepraegt, weil die Hardware-Naehe physisch erforderlich ist.
- Gibt es in Deutschland einen Anspruch auf Home-Office?
- Nein. In Deutschland besteht 2026 kein gesetzlicher Anspruch auf Home-Office oder mobile Arbeit. Geregelt wird Home-Office ueber individuelle Arbeitsvertraege, Betriebsvereinbarungen oder Tarifvertraege. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt einen ergonomisch ausgestatteten Arbeitsplatz auch im Home-Office. In Oesterreich gibt es seit 2021 ein Home-Office-Gesetz, das die Rahmenbedingungen klaert, aber ebenfalls keinen Anspruch begruendet. In der Schweiz gilt das Obligationenrecht und individuelle Vereinbarungen.
- Wie viele Tage Home-Office sind im DACH-Raum marktueblich?
- In Buero- und buerogestuetzten Engineering-Rollen sind zwei bis drei Tage Home-Office pro Woche der neue Standard, das gilt fuer Deutschland, Oesterreich und die Schweiz gleichermassen. Vollremote-Stellen sind seit 2023 deutlich seltener, und Konzerne fordern zunehmend Mindest-Praesenz von drei Tagen. In Produktion, Service und Handwerk ist Home-Office strukturell nicht moeglich. Im Mittelstand variieren die Regelungen stark, oft individuell verhandelt.
- Was muss ich bei Workation aus dem Ausland beachten?
- Drei Punkte sind entscheidend: Erstens die A1-Bescheinigung fuer die Sozialversicherung im EU-Ausland (Pflicht). Zweitens das 60- bis 183-Tage-Limit, das in den meisten Doppelbesteuerungsabkommen die Steuerpflicht definiert — bei zu vielen Tagen kippt sie ins Aufenthaltsland. Drittens die Datenschutz- und IT-Sicherheits-Regeln des Arbeitgebers. Eine schriftliche Workation-Policy mit konkreten Laenderlisten und maximalen Tagen schuetzt beide Seiten und ist 2026 in vielen DACH-Unternehmen Standard.
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