Vorbereitung: Marktwert kennen
Erfolgreich verhandelt, wer den eigenen Marktwert kennt. Drei Quellen helfen:
1. Bundesagentur-Statistik (entgeltatlas.arbeitsagentur.de): Kostenlos einsehbar, gibt mittlere Bruttogehälter nach Beruf, Region und Anforderungsniveau. Ein guter Startwert für die Verhandlung.
2. Stellenanzeigen (Spannen): Anzeigen großer Personalvermittler und Konzerne nennen oft Gehaltsspannen. Auch der Hinweis „nach Tarif IG Metall" verrät das Mindestniveau.
3. Recruiter-Gespräche: Spezialisierte Personalvermittler sehen täglich, welche Gehälter aktuell tatsächlich gezahlt werden. Ein kurzes Gespräch (für Fachkräfte kostenlos) bringt oft präzisere Werte als jede Statistik.
Faustregel: Ihr eigener Marktwert ist die obere Hälfte der Spanne, wenn Sie ein gefragtes Profil sind (technische Tiefe + Reisebereitschaft + relevante Branche). Nehmen Sie das als Anker für die Verhandlung.
Die 10 wichtigsten Praxistipps
1. Nicht zuerst nennen: „Ich orientiere mich am Marktniveau für ähnliche Positionen. Was haben Sie sich vorgestellt?" — verschiebt die erste Zahl auf den Arbeitgeber.
2. Spanne nennen, nicht eine Zahl: „52.000 – 58.000 € je nach Gesamtpaket." Eine Punktzahl wirkt unprofessionell — eine Spanne signalisiert Verhandlungsbereitschaft.
3. Mit Argumenten kommen: „Aufgrund meiner SPS-Inbetriebnahme-Erfahrung in der Pharma-Branche…" Vermeiden Sie „Ich brauche…" oder „Ich möchte…". Es zählt, was Sie liefern.
4. Gesamtpaket bewerten: Brutto allein ist trügerisch. Berücksichtigen Sie 30 Tage Urlaub, Weihnachts-/Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen, betriebliche Altersvorsorge, Firmenwagen, Bonus.
5. Schichtzulagen separat verhandeln: „Bei dem 3-Schicht-Modell rechne ich die Zulagen separat. Wie ist das hier üblich?"
6. Schweigen aushalten: Nach Ihrer Forderung Pause machen. Wer zuerst spricht, gibt nach. Der Arbeitgeber wird oft selbst weiter konkretisieren.
7. Schriftform sichern: Mündliche Zusagen sind nichts wert. „Können wir das so im Vertrag festhalten?" — sofortige Aufnahme in den Arbeitsvertrag.
8. Alternative Benefits ansprechen: Wenn Brutto nicht mehr beweglich ist: Firmenwagen, Homeoffice-Tage, Weiterbildungsbudget, zusätzlicher Urlaub. Oft beweglicher als das Gehalt.
9. Probezeitgehalt vs. Endgehalt klären: „Ist das Probezeitgehalt identisch oder steigt es nach 6 Monaten?" — manche Arbeitgeber starten niedriger und steigen erst danach.
10. Konkurrenzangebot nutzen, aber ehrlich: „Ich habe ein anderes Angebot mit 56.000 € vorliegen — Sie sind meine Präferenz aus folgenden Gründen…". Niemals erfunden, immer wahr.
Typische Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu früh verhandeln. Im ersten Telefonat zur Position keine konkreten Gehalts-Zahlen nennen. Erst nach dem zweiten Gespräch, wenn beide Seiten Interesse haben.
Fehler 2: Auf alten Werten beharren. „Ich habe in meiner alten Firma X verdient" zählt nichts. Ihr aktueller Marktwert zählt, nicht die Historie.
Fehler 3: Reine Brutto-Forderung. Ohne Berücksichtigung der Gesamtkonditionen (Urlaubsgeld, Boni, Firmenwagen, Versorgung) ist eine reine Bruttoforderung wertlos.
Fehler 4: Drohung mit Kündigung. Wer in einem bestehenden Job mit Kündigung droht, riskiert Vertrauensverlust. Bessere Strategie: konkretes Konkurrenzangebot in der Hand haben.
Fehler 5: Unstrukturiert verhandeln. Vorab Notizen machen — Wunsch-Spanne, Minimum, Argumente. Ohne Vorbereitung wirkt jede Verhandlung schwach.
Häufige Fragen
- Wie viel Gehaltserhöhung kann ich beim Stellenwechsel erwarten?
- Typisch 10–20 % gegenüber Ihrem aktuellen Gehalt sind realistisch. Bei einem klaren Qualifikationssprung (z. B. Senior-Position, Spezialisierung) auch 25–35 %. Niedriger als 8 % lohnt der Wechsel selten.
- Soll ich mein aktuelles Gehalt im Bewerbungsgespräch nennen?
- Nur ungefähr und nur wenn unbedingt gefragt. Lieber: „Mein Marktwert liegt bei X, das ist mein Anker für die neue Position." Vermeiden Sie konkrete Zahlen aus dem alten Vertrag.
- Was tun, wenn der Arbeitgeber sagt „mehr geht nicht"?
- Erst klären: Brutto-Limit oder Gesamtpaket-Limit? Falls Brutto fest ist, alternative Benefits verhandeln — zusätzlicher Urlaub, Weiterbildungsbudget, Firmenwagen, Homeoffice-Tage. Diese sind oft beweglicher.
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